So, nun denn - die Kaufberatung
Achtung, dieser Text ist von 2009 - seitdem hat sich einiges getan,
die Grundannahmen stimmen aber immer noch.
Du willst wirklich bessere Bilder machen? Lies das oben noch mal. Für bessere Bilder brauchst Du nicht
unbedingt eine bessere Kamera, sondern meist einen besseren Fotografen.
Ziehe dir z.B. die
o.g. Webseiten und Bücher rein und werde ein besserer Fotograf.
Ok, Du willst trotzdem eine andere Kamera? Und Du willst die Meinung von
jemanden, der gerade einen erheblichen Teil der zur Verfügung stehenden
Knete dafür einlocht? Folgekosten (Speicherkarten, Akkus, Stativ,
Blitz, Tasche) eingeschlossen?
Willst Du die Kamera immer dabei haben können? Und nicht viel (so
500 Euro) ausgeben? Ja, das ist für mich nicht
viel - willst Du immer noch meine Meinung?
Lies mal die brauchbaren Kompakt-Vergleiche von dpreview:
für
Sparfüchse (bis 150 USD), für gehobene
Point&Shotter und für Enthusiasten.
Je weiter man in Richtung 'Enthusiasten' (lies: Spinner) geht, desto
bessere optische Eigenschaften und manuelle Bedienungsmöglichkeiten
haben die Dinger.
Ansonsten interessiere ich mich nicht so sehr für Tests mit
Laboraufnahmen und Ausmessen von Tonnenverzerrung, Jitter und
Violettverschiebung oder der Auflistung von allen haarkleinen Details,
weil das in der Praxis total irrelevant für mich ist - ich bin ein viel
zu ungeübter und schlechter Fotograf/Motivseher, als das ich perfekte
Technik am absoluten Limit für meine Bilder bräuchte, und noch schlechtere, ungeübtere
Leute brauchen das noch viel weniger.
Lass Dich also nicht durch Fakten verwirren, die Kameras einer
Preisklasse sind alle ungefähr gleich gut.
Dann geh in einen großen Fotoladen oder Elektrosupermarkt (ja, geh hin,
fass alles an, probiere aus). Ich würde besonders achten auf:
- großes, lichtstarkes Objektiv (Fotografieren funktioniert mit
Licht!). Lichtstärke drückt sich durch die Blendenöffnungsanfangszahl
aus. Je kleiner diese ist, desto größer ist die Öffnung. Gleichzeitig
deutet eine große Frontlinse auch auf eine gute Lichtstärke hin.
- einen möglichst großen Sensor mit möglichst wenig Megapixeln. Ja,
wirklich. Viele Megapixel auf einem winzigen Sensor machen keinen Sinn,
sind nur Marketing und machen schwammige Bilder. Siehe 6mpixel.org. Wenig
bedeutet 6 - 10.
- ein gutes Handgefühl - nimm die Kamera in die Hand. Stabilität, wie
schnell ist sie aufnahmebereit, kommst du an die Knöppe?
- Stativgewinde!
- Optisches Zoom; denn digitales Zoom ist fürn Arsch und
Marketinggebrabbel!
- Brennweite - wer viel drinnen und eher gesamtaufnahmig fotografiert,
will möglichst viel am weitwinkligen Ende (kleinere Zahl) - das ergbit
aber bei ungeübtem Einsatz genau diese typischen kleinen, leeren Bilder,
wo alles drauf ist, bis auf ein sichtbares Hauptmotiv.
Wer eher in den Telebereich will, achte auf die größere Zahl.
- Möglichst keine proprietären Speichermedien verwenden, sondern am
besten SDCard (also meist SDHC) oder CF-Card. Sony ist da z.B. eher bäh.
- Möglichkeit, Blende, Zeit und evtl auch Focus manuell einzustellen?
- Anti-Wackeldackel: Ist nett, aber Lichtstärke ist besser.
Wie, Du willst ne Spiegelreflex?
Okay - jetzt ist wirklich alles egal, und vergiss das mit den 500
Euro Obergrenze ganz, ganz schnell, ebenso die möglichst wenig Pixel,
das spielt nun keine Rolle mehr, weil die Sensoren viel größer sind.
Investiere Dein Geld in gute
Objektive, nicht in Gehäuse. Gute Objektive haben eine möglichst große
Anfangsblende (Fotografieren geht mit Licht (ich wiederhole mich da
gerne)) - meistens ist dann auch das Loch vorne größer und die
Scherbe ist viel teurer), sind mechanisch stabil und fühlen sich beim
Herumspielen auch entsprechend geschmeidig an.
Viele von den Kitlinsen (also Objektive, die der Hersteller als
Anfangslinse zusammen mit einem Gehäuse zu einem Preis anbietet), sind
nicht so irre lichtstark, um den Einstiegspreis gering zu halten.
Ein guter Body ist nicht so wichtig wie gute
Objektive, weil sich die Technologie in den Bodies schnell ändert, bei
den Objektiven eher nicht. Du wirst also, wenn Du dabei bleibst, alle
paar Jahre den Body tauschen wollen, es gibt keinen Grund, das mit
Linsen zu tun, außer man hat am Anfang Schrott gekauft oder man macht
einen Systemwechel (oder evtl., wenn man auf Vollformat geht, andere
Geschichte...) .
Genau, System. Es ist meiner Meinung nach wirklich scheissegal, welches System man
einsetzt, solange es Nikon ist.
Nee, wirklich. Ob nun Canon oder Nikon (oder die etwas weniger
verbreiteten Olympus, Pentax, Fuji, Sony, Sigma, usw) als System ist ziemlich egal.
Wahrscheinlich hat man bei den beiden großen mehr Auswahl an gebrauchtem
Zeug - statistisch belegen kann ich das aber nicht.
Wichtig ist, daß die Handhabung für Dich persönlich stimmt. Ich hab mich
bei der SLR für Nikon entschieden, weil sich zum Kaufzeitpunkt der D80 die
gleichwertigen Canons in meiner Hand wie Puppenspielzeug angefühlt haben
(wie die D60 übrigens auch :-). Gleichzeitig ist meine Kompakte ne
Canon, weil Nikon da traditionell nur Mist zusammenballert.
Ein weiterer wichtiger Punkt für die Systementscheidung kann sein, ob
jemand in Deiner Umgebung ein SLR-System hat, dem Du vertrauenswürdig
genug bist, daß er Dir z.B. Linsen leihen würde.
Was ist nun gut? Siehe bei den üblichen Verdächtigen:
Und komm mir hinterher nicht mit: Ich hab Dir das empfohlen. Ich hab Dir
empfohlen, ein besserer Fotograf zu werden, nicht eine teurere Kamera zu
kaufen.
Du wirst eh noch weinen, wenn Dir dir Folgekosten explodieren.