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Das ist mein Blog. Hier gibts, was ich tue, getan habe und vielleicht tun werde. Auch, wenn und weil das total unwichtig für den weiteren Verlauf der Geschichte ist. Viel Spaß damit. Wer mich möglichst zeitnah erreichen und/oder beschimpfen will, versuche dies per Email (s.u.), per Twitter, auf Facebook oder im ircnet oder suche mich persönlich auf. RSS-Feed br> Startseite br> --> br> Einträge nach Kategorien br> Einträge nach Datum br>
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21.09.2004
Dritter Tag in München. Gestern sehr nett in der 'Karawanserei' Essen gewesen mit ein paar Netzpersönlichkeiten. Leider ist das (mal wieder) an einem Ort mit einem U-Bahnhof mit ca 38 Ausgängen. Obwohl ich fast rechtzeitig (der von mir vorgesehene Bus fährt nur bis 19:00 Uhr, und wenn man dann nicht auf den an der Bushaltestelle aushängenden Fahrplan guckt, bekommt das eben nicht mit - das ist nun das zweite Mal, das ich hier auf Busse gewartet habe, die nicht fahren. So ein provinzieller Dreck ist mir in Berlin noch nicht passiert) an der Oberfläche von 'Sendlinger Tor' bin, finde ich die richtige Seitenstrasse erst nach einigem Herumeiern, weil ich von völlig falschen Himmelsrichtungen ausgehe und dies im Dunklen auch nicht so ohne weiteres korrigieren kann. Naja, ich habs dann doch gefunden, wobei der Tipp von Ralph 'zwischen zwei Apoteken durch' auch nicht geholfen hat, am Platz sind mindestens vier Apoteken, und eine von den gemeinten ist nicht beleuchtet und damit für mich auf Distanz unsichtbar. Das Essen ist 'preiswert', lecker, viel - relativ günstig. Jedenfalls nicht teuer als in Berlin. Gestern war das auch schon so, ich beginne meine Meinung über die teuerste Stadt in D leicht zu revidieren. Allerdings laufen immer noch und überall schräge Bürger, Italiener und Neuseeländer in Trachten umher und reden schwer bis nicht verständlichen Dialekt. Der zweite Tag Schulung heute war okay, ich hatte Spaß, und die Beschulten sicher auch. Gegen Feierabend gab es einen Einstandsumtrunk von Münchener Kollegen - nett, mal ein paar mehr von denen auf einem Haufen zu sehen. Abgesehen davon gibt es eine sehr leckere Kürbissuppe. Ich will unbedingt noch einen Schatz heben, und finde einen in unmittelbarer Entfernung zum Hotel. Also Cachebeschreibung ausgedruckt, Koordinaten ins GPS, und los. Leider stehe ich auf einmal vor einer 3 Meter hohen Lärmschutzmauer der Bahn. Dreck. Noch mal die Cachebeschreibung gelesen, man soll von Norden ran, na super. Woher komme ich? Richtig. Ich beschliesse die westliche Umgehung - nach meinem Kartenmaterial (stadtplandienst.de und den topographischen Straßen auf dem GPS) ist da ein Tunnel in 300 Metern, das stimmt auch, es sind zwei parallele Tunnel. Der eine Tunnel trägt ein Gleis, der andere zum Glück eine geschotterte Strecke ohne Gleis. Trotzdem bekomme ich Schiss, als es Zuggeräusche poltert - das ist aber oben drüber. *schwitz* Der Cache ist relativ schnell gefunden, gerade noch so im letzten Büchsenlicht um Virtel vor Acht. Es wird Winter. Ich gehe noch etwas zwischen den gewaltigen Bahnbrachen spazieren, sehr schön hier. Leider stehe ich dann trotz GPS in einem toten Ende mit Gleisen auf drei Seiten, ich entscheide mich, die Trasse zu queren, um nicht so weit zurück latschen zu müssen. Gruseliges Gefühl, über 8 offensichtlich befahrene Gleise (Fernbahn, S-Bahn) zu klettern, jedenfalls beeile ich mich eigentlich unnötig, man kann in beide Richtungen sehr weit gucken. Die Münchener S-Bahn hat interessanterweise sehr leise und angenehme Fahrgeräusche. Um noch was zu essen zu bekommen, wanke ich noch zu einer kombinierten Döner/Pommes/Lebekässemmelbude und bekomme die schlechtesten Pommes, die ich je gegessen habe. Eigentlich müßte ich mich jetzt noch etwas mit den Kursinhalten für morgen beschäftigen, aber ich übersprungshandle lieber etwas und schreibe dies hier. Die Schulung wird noch um einen Tag verlängert, ich komme erst Donnerstag nacht nach Hause. [Kategorie: /arbeit] - [permanenter Link] - [zur Startseite]20.09.2004
Moin! Äh, verstendnisloases G'ucke auf die Uhr. Grüs' Gott - klar, wenn ich sie treffe! Ja, ich bin in München. Irgendwie fühlt sich das an, wie ein Heimatfilm auf Steroiden. Hier laufen die meisten Männer in lächerlich kurzen Hosen rum, die meisten Frauen haben Dirndl oder zumindest Dirndl-Abarten an. Ich reibe verwundert die Augen, schliesslich war das das letzte Mal, als ich in München war, nicht so. Blitzschnell schliesse ich, das das mit 'der Wiesn' zu tun haben muß - Oktoberfest ist Ausnahmezustand. Ralph hat Recht, ich werde mich in Zukunft nicht mehr beschweren, wenn die Irren für einen Tag in Berlin einfallen, Pillen fressen und in den Tiergarten pissen - das ist nämlich nur ein Tag, nicht 14 Tage wie hier. Das Hotel kostet das Doppelte von sonst, und es laufen eben reihenweise fertige in Trachten herum. Am schlimmsten sind wohl die, deren Trachten nur angedeutet sind, als Rüschenblüschen mit Minirock und Stiefeln bis übers Knie. Gestandene Männer in kurzen Lederhosen kann ich nicht ernst nehmen. Gestern abend war ich dann noch mit Ralph und Charly essen, auf dem Rückweg saß ich mit einem Schwarzen im vollem Wichs (inklusive Wadenwickerl und Hirschhorn-Spange am Hosenträger) in der U-Bahn. Grotesk. Die Schulung (ich gebe eine) lief heute sehr gut, es ist anstrengend, 7 Stunden am Stück den Clown zu geben. So, jetzt esssen beim perversen Perser mit einem Haufen Netzbekanntschaften. [Kategorie: /arbeit] - [permanenter Link] - [zur Startseite]15.09.2004
Bis auf eins: Ich habe in den letzten zwei Wochen wenig Kaffee getrunken, praktisch ein kalter Entzug. Gestern habe ich dann wieder die übliche Bürodosis von flüssigem Sodbrennen eingefahren, wie vor dem Urlaub. Heute morgen gegen fünf Uhr wurde ich dann langsam ruhiger, und bin ins Bett gegangen. Heute konnte ich die Dosis nicht reduzieren (die Sucht schlägt voll zu), ich hoffe, ich bin bald wieder so müde und abgespannt, das ich wieder zu üblichen Zeiten ins Bett gehen kann. Wie - weniger Kaffee trinken? Morgen abend ist so ein Termin, der das 'müde und abgespannt' eventuell beschleunigt. Licht ausschiessen mit Ansage. Ich bin unter die Schatzsucher gegangen, das macht sehr viel Spaß und gibt schnelle Erfolgserlebnisse - besonders, wenn man mit blanker Hand nachts in Kreuzberg in ein garantiert von Ratten bewohntes Loch fassen soll, um den Schatz zu heben.
Endabrechung Sommer-Reise mit Tremor: Zeit: 11 Tage Übernachtliegeplätze: 3x Marina, Restnächte vor Anker. Anzahl Schleusen: 36 Gefahrene Strecke: Spree-Oder-Wasserstrasse (SOW in Berlin): 45 km Havel-Oder-Wasserstrasse (HOW): 86 km Obere-Havel-Wasserstrasse (OH): 186 km Müritz-Havel-Wasserstrasse (MH): 64 km Müritz-Elde-Wasserstrasse (ME): 46 km gesamt: 430 km Zugabe für Kringel, Umwege, Buchten... 10% (geschätzt) Insgesamt: 473 km Motorstunden: 48,8 Verbrauch: 220 Liter Diesel, Stundenverbrauch durchschnittlich 4,5 Liter Verbrauch pro km: 0,46 Liter Durchschnittliche Tageskilometer: 43 (ein Ruhetag, also eigentlich 47) km Ölverbrauch insgesamt: 5 Liter Also alles im grünen Bereich, aber die Kiste braucht zuviel Öl. Da die Kompression okay ist, ist es am wahrscheinlichsten, das es durch die Lager der Ventilschäfte in den Brennraum gerät und mit verbrannt wird, sagen Kenner des Motortyps. Die sind aus irgendeinem Material, das mit den Jahren eher spröde wird. Ist wohl eher ne billige Reparatur. Ich habe jetzt Kopien der Originool-Ersatzteillisten und Werkstatreparaturbücher - suupi, ne?
upcomming nightmares:
[Kategorie: /wasserspocht] - [permanenter Link] - [zur Startseite]10.09.2004
Lehnitz ist immer etwas mühsam, weil durch den abwechselnden Einbahnverkehr auf der Havel-Oder-Wasserstraße immer ein Haufen Schubschiffe hintereinander kommen, die dann nicht besonders schnell weggeschleust werden können. Nach etwas über einer Stunde Wartezeit durften wir (vier Sportboote) endlich zusammen mit einem Schuber rein, also nach dem Schuber. Ich zuerst, relativ dicht hinter den Schuber, ich habe nur wenig Angst vor denen. Der zweite war vorsichtiger, und läßt Abstand. Was der dritte nutzt, um zwischen uns durchzuschlingern, und sich neben mich zu legen, sogar fast neben den Schuber. Das ist ist aus mehreren Gründen unüblich:
Also, Hochgenuss predicted. So kam es dann auch - während des Abwärtsschleusens war noch alles gut. Dann geht das Tor auf, der Schuber schmeisst seine Maschinen an - der Typ auf dem Zäpfchen seinen Aluhaken los - ich glaube, ich sehe nicht richtig (bei den Diesel- und Rußschwaden, die gerade vorbeiziehen, kein Wunder). Der Schubikäptn checkt, ab der Gang reingeht, ohne nach hinten zu gucken. Er geht rein, es sprudelt mächtig. Gang wieder raus. Der Kasper beginnt, sich von der Spundwand zu lösen. Der Schubikäptn gibt Hartruder und Vollstoff, um von der Spundwand wegzukommen. Der Kasper beginnt, hinter den Schuber zu geraten. Der eigentlich zweite Sportler fängt an, zu brüllen, ich steige auf die Hupe. Der Schubifahrer merkt was, und nimmt zum Glück Gas weg. Währenddessen dackel ich mit Bootshaken bewaffnet nach vorne, um den Spinner notfalls mit Gewalt (mein verchromter Bootshakenhaken sehnt sich geradezu danach, sich in unschuldiges Gelcoat zu graben) von meinem gepflegten Außenanstrich abzuhalten. Dieser hat inzwischen seine Maschine angerissen, und eiert nun durch das Becken, allerdings um 180° verdreht, also in unsere Richtung, und nicht Richtung Ausfahrt. Der Schubi ist inzwischen raus, aber der Knallkopf bekommt seinen Eimer nicht mehr gedreht, abgesehen davon geht ihm auch ziemlich die Düse, dem wird gerade erst klar, das er einer wirklich gefährlichen Situation gesteckt hat. Er fährt mehrere Minuten hin und her, und bekommt die Kiste nicht gedreht. Wir können uns vor Lachen kaum halten.Oben auf der Schleuse steht nun der Wärter, und brüllt den Kasper an. Allerdings sietzt er ihn, und ist auch sonst relativ höflich. Nach weiteren Versuchen bekommt er dann mit einer ordentlichen Schramme seinen Eimer an der Spundwand gedreht, und fährt raus. Sowas wunderbares fast zum Ende. Es gibt einen Gott. Ansonsten ist das Stück zwischen Liebenwalde und Berlin unspektakulär und eher langweilig. Wegen der langen Wartezeit bin ich erst gegen fünf wieder in Berlin, und entscheide mich, nicht bis in die City weiter zu fahren (da wäre ich erst gegen 21:00 Uhr oder später), und bleibe an der gleichen Stelle, an der ich auch auf dem Hinweg geankert habe. Heute: Die letzten Kilometer durch Berlin sind eher stressig durch den starken Ausflugsdampferverkehr auf der Spree. In der letzten Schleuse (Mühlendamm) weht mir ein Haufen Blätter ins Boot - es wird Herbst, und ich HATTE GERADE SAUBER GEMACHT! Boot aufgeklart, einen großen Teil des verderblichen Krams aufs Rad geschnürt, und ab nach hause. Hier überfällt mich ein voller Briefkasten und 18 MB Emails. Ich glaube, ich brauche Urlaub. Fotos folgen. [Kategorie: /wasserspocht] - [permanenter Link] - [zur Startseite]08.09.2004
Irgendwie bin ich heute total erschossen, erstens wird meine Bindehautentzündung am Auge schlimmer (das kommt sicher durch die ständigen Spiegelungen der Sonnenstrahlen im Wasser und den Wind), und zweitens hatte ich heute wieder haufenweise Schleusen. Wieviele genau? Bin zu faul, nach dem Logbuch zu greifen. Fünf oder sechs werden es gewesen sein. In fast jeder Schleuse der Amateurblues - 'bitte weiter nach vorne, da wollen noch mehr rein' - 'nicht so weit nachvorne, da ist der Drempel' - 'halten Sie bitte Ihr Boot besser fest'. Die Schleusenwärter sind ziemlich gelassen und höflich, nach einer ganzen Saison (also von Mai bis jetzt) wäre ich deutlich genervter. Anstatt vor Anker zu gehen, brauche ich mal wieder etwas Auslauf, ich entscheide mich für die Marina Milzbrand (oder so ähnlich) - hmm, jetzt sehe ich doch im Logbuch nach - sechs Schleusen, Mildenberg heißt der Hafen), weil hier ein riesiges Ziegelleigelände gibt, das als Museum aufgebaut ist. Der Hafenmeister (kein Vokuhila, könnte aber gut sein, das er gerne mal auf ner NPD-Kundgebung vorne mitläuft) will 9 Euro. Irgendwie rallen die es alle nicht. Hätte es 6 Euro gekostet, hätte ich in der anliegenden Kneipe noch ein Pils oder Eis genommen oder wäre ins Museum (soll 5 Euro kosten) gegangen. So ist mir das dann doch etwas zu teuer. Das Museum scheint interessant, und ist auf jedenfall von museumspädagogischen ABMs auf Vordermann gebracht worden. An jedem verrotteten Steinhaufen ein Schild 'das ist vermutlich Ofen 4/1, oder 3/1 von Henningsen aus Henningsdorf 1891 (oder 1897) beauftragt. Später VEB Zepernick Lehmsau III'. Auch die beim Zusammenbruch des Sozialismus kreuz und quer dekorativ im Gelände stehen gelassenen Feldbahn-Lokomotiven, Bagger und anderer Schrott haben jeweils ein schickes Schild 'wurde 1994 im Rahmen einer ABM restauriert und soll wieder fahrfähig gemacht werden' - fragt sich nur, ob die 94 eventuell was anderes restauriert haben, oder ob die Restauration so schlecht war, das es innerhalb von 10 Jahren wieder zu einem Klumpen Schrott gegammelt ist. Statt das Museum von innen zu besichtigen, schwinge ich mich auf Rad und verschaffe mir etwas Bewegung. Die Feldbahngleise sind noch überall im Gelände zu finden, es gibt haufenweise Teiche, die mit offiziellen Schildern als 'Angelgewässer' gekennzeichnet sind. Sehr schöne Landschaft hier. Leider fliegen im beginnenden Sonnenuntergang irre viele Insekten rum - ich brauche dringend ne gute Sonnenbrille, meine Augen drehen sonst durch. Nach 17 km feinster Natur (das lohnt sich auch mal mit Bahn und Rad von Berlin) bin ich wieder in der Marina angekommen. Gerade wird unter großer Anteilnahme der anderen Gastlieger ein Riesencharterbomber in eine eher zu kleine Box platziert, obwohl vor und hinter Tremor viel Platz an der Pier ist. Ich verstehe nicht, wie man freiwillig in eine Box geht, wo man vier Leinen braucht, und die entweder schwierig zu besetzen oder schwierig zu verlassen ist, anstatt an einen Steg längsseits zu gehen, wo man zwei Leinen braucht und morgens einfach stumpf losfahren kann. Die Marina selbst ist nen Traum, sicherlich auch ne schöne Investitionsruine. Alles vom feinsten, Schwimmstege, Sanitärräume groß, gekachelt, sauber, Hafenmeisterei mit Yachtshop, Restaurant mit dran - aber wer soll das hier investierte Geld hier wieder reinbringen? Milzbrand ist nicht an der Seeenplatte, sondern bestenfalls einer von vielen möglichen Durchreiseübernachtungsplätzen. Ich hoffe, die Finanzierung ist sehr langfristig angelegt. Mit der Beschriftung hapert es etwas, es wird zwar nicht Deppen's Genitiv benutzt, aber "Liegegeld bei'm Hafenmeister entrichten" entschädigt für einiges. Meine blöden Augen jucken. Eventuell sollte ich morgen in Zehdenick mal die Apotheke aufsuchen. [Kategorie: /wasserspocht] - [permanenter Link] - [zur Startseite]07.09.2004
Das hat mir nach dem eher anstrengenden Tag (9 Stunden unterwegs für 5 Stunden Sitzung) gerade recht. Wobei das zweistündige Zuckeln mit der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft von Waren nach Ludwigslust schon sehr entspannt ist. Viel schneller als ein Moped fährt das Ding auch nicht, und die Farben sind wegen der niedrig stehenden Sonne ziemlich gut. Ab Ludwigslust IC - Massenware, Hamburg. Wie immer hat der Zug wegen der Baustelle im Sachsenwald exakt 13 Minuten Verspätung - das ist seit März so, warum bekommen es die Bahnheinis es nicht hin, diese Baustelle in den Fahrplan zu integrieren? Sitzung: Ohne ins Detail gehen zu wollen: So lala. Rückfahrt mit Leilas Schrottkiste (eigentlich ein Superauto, wirklich; bloß leider, leider wird der nächste TÜV wohl etwas problematisch werden, und eine TÜV-Investition von sagen wir mal vierhundert Euro würde den nominalen Wert der Karre verdoppeln) bis Rostock, das erspart mir ohne Ende Bahnpain, außerdem ist es sowieso immer nett, mit Leila unterwegs zu sein. In Rostock finden wir erst nach längerem Suchen den Bahnhof - jede stinkende Fischbude ist von der Autobahn aus ausgeschildert, aber nicht sowas nutzloses wie ein Bahnhof, den besonders Fremde nicht automatisch richtig verorten. Der Zug von Rostock nach Waren ist ein richtiger Zug, äh, Nachtzug mit Abteilen und Fenstern, die man runterziehen kann, und an denen man lässig rauslehnen und -gucken kann, wie früher aus Zügen. Ich tue dies begeistert und ausgiebig und fresse dabei mindestens zwei kleinere Insekten. Dabei fällt mir auf, das man als Lokführer ziemlich Vertrauen haben muß in die, die den Fahrweg festlegen. Mit 120 km/h und einem Bremsweg von irgendwas bei einem Kilometer durch die Dunkelheit zu ballern, ist nur angenehm, wenn man wirklich sicher ist, das die anderen ihren Job richtig tun - ansonsten steht man schnell mal im Feld, in fremden Häusern oder hat Reste von Autos an den Puffern hängen. In Waren angekommen, grüße ich den Lokführer, der aus seinem 160-Tonnen-Monster guckt, begeistert. Leider habe ich ihm nicht erklärt, warum. Lokführer dieser Welt: Ihr seid Helden, und ich wollte immer werden, wie Ihr! Leider zieht mich die Hauptversammlung der Bekloppten und Bescheuerten im Stadthafen schnell wieder runter in die Realität der Nichtlokführer. Während ich ankomme, mein Rad auf mein Boot hieve, und feststelle, das die netten Rentnerehepaare, die gestern um mich herumlagen, alle Bierprolos auf Kojenbombern gewichen sind, seilt sich einer von denen so elegant ab, das er zwischen dem Schwimmsteg (schon eine Herausforderung, wenn man 3,8 im Turm hat) und Tremor ins Wasser fällt. Bei dem Versuch, den Fritzen zu bergen (es wird mit dem Bootshaken nach dem Typen gestochert), geht fast noch ein zweiter ins Wasser, dieser rollt aber dank seiner katzenhaften Reflexe auf dem Steg ab. Ich brülle die anderen an: "ALLES SOFORT FRESSE HALTEN und hinsetzen, ich hole den da raus, ich bin Profi." Zum Glück funktionert das in Deutschland immer noch, ich helfe dem Abgestürzten zur Badeleiter und ihm dann raus. Zum Glück hat der sich nicht ernsthaft verletzt, sondern sich wohl nur blaue Flecken mit Schrecken geholt. Der setzt sich hin, und macht sich erstmal nen Schnaps klar. Die anderen brüllen vor Lachen, ich werde auch eingeladen. Okay, ein Sturzbier mit den Trotteln, die mit der häßlichsten aller Mietwarzen herumfahren - Type 'Voyager 780'. Irgendwie ist das wie erwartet uninteressant, ich ziehe mich zurück. Schräggegenüber wird 'hier kommt Alex' von den Hosen skandiert; Charterer ausser Rand und Band, Wochende im Wassersportparadies Waren. Die Häuptlinge neben an reißen immer noch Bademeisterwortwitze, manche sind nicht ganz schlecht: 'Na, soo tief sollten wir in das Thema jetzt nicht eintauchen'. Okay, raus damit und pennen. Ich brauche wieder die Ruhe von einem Ankerplatz, wo mir die Geisterbahnfahrer nicht so nahe kommen können. [Kategorie: /wasserspocht] - [permanenter Link] - [zur Startseite]05.09.2004
Milch, Quark gekauft. Das Brot sah fies aus. Von der Chartererfront soweit nix neues. Schön in der Nähe einer Wasserski-Strecke geankert, hier kann man seinem PS-Hobel (gemeinhin: Zäpfchen) zu definierten Zeiten ausfahren, wenn man eine Bekloppte findet, die sich hinterherschleifen läßt. Muß nicht unbedingt auf Skiern sein, jedes (funsport-)Gerät scheint erlaubt. Ist auch egal, es geht ums Fahren, und nicht ums Schleppen, d.h., wenn man die Bekloppte verliert, kann man erstmal schön die Runde zu Ende dreschen, und sie dann wieder einsammeln. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich die Zäpfchentreiber auf eine Stufe mit den Charteren stellen kann. Irgendwie sind die rasenden Kackbratzen berechenbarer, und damit auch langweiliger. Aber sie sind in der Regel jünger, und mit leicht oder nicht bekleideten, meist weiblichen Nachschleppopfern ausgestattet - neben dem mehr fürs Ohr (wenn der gefolterte 25PS-Außenborder in fünfstellige Drehzahlen gedreht wird) also auch mehr fürs Auge. Der Spuk ist um 18:00 Uhr vorbei, schöner Ankerplatz. Die örtliche Familie Schwan kommt vorbei, und fordert fauchend und schnatternd ihren Anteil an meinen Pellkartoffeln mit Quark. Naja, mal sehen, wie sie auf Kartoffel mit Tabasco anspringen. Eher nicht - na, dann gibts auch nix ab. Wie angekündigt, bin ich auf dem Weg nach Neustrelitz, da dieser Ort an einem toten Ende der oberen Havelwasserstrasse liegt, ist hier etwas weniger Verkehr als sonst, und die Strecke ist wunderschön. Der Abstecher lohnt sich. Heute morgen war dicker Nebel, ich bin früh los (gegen 8:45), durch das warme Wasser und die kalte Luft ergibt sich das, aber es ist trotzdem immer wieder beeindruckend. In Neustrelitz angekommen, wird es wieder so warm wie immer. Die haben einen schönen, neugemachten Stadthafen dort, für die ist es sicher schade, das sie etwas ab vom Schuss liegen. Der nette Vokuhila sagt mir ungefragt, wo ich einkaufen kann. Leider haben die im Netto keinen Spiritus, da muß ich ich wohl etwas einschränken. Aber Milch, richtige Milch. Ich wühle mich einmal durchs Jogurt und Milchspeisenkühlregal, lasse aber die Hälfte der ausgesuchten Köstlichkeiten im Regal stehen, nur, was ich heute davon essen kann und werde, wird eingesackt. Netto nimmt am Euro-Bierpullen-Pfandsystem teil, will aber meine (normgemäßen) Krombacher-Flaschen nicht, die hätte ich dort nicht gekauft. Ich lasse den Geschäftsführer kommen, und verweise ihn auf die Euronorm, und das er diese Flaschen annehmen sollte, sonst gäbs nen entsprechenden Hinweis bei der Aufsichtsbehörde. 'Nur ein Mißverständnis, Sie verstehen' - ich verstehe, Hauptsache ich werde die Pullen los, ich will ja auch neue kaufen. Wieder am Boot, kann ich die '3 stündige, ausführliche Einweisung' für den Charterschein beobachten. Die gerade angekommene und an Bord ausgepackte Crew bekommt einen Schnaps und einen 15 minütigen Vortrag. Dann noch einen Schnaps, und dann fahren sie los. Ich gehe fest davon aus, das der Vercharterer dabei ist, aber irgendwie scheint das nicht der Fall, zumindest steigt an der nächsten Schleuse niemand aus, und der Anleger ist auch auf der nach oben offenen Diletantismusskala bei 14,9 Punkten. Seltsam, alles sehr seltsam. Nagut, es gibt eine mögliche Erklärung: Einer von denen hat den notwendigen Lappen und kann einfach nicht fahren. Mein heutiger Ankerplatz ist wieder exzellent, auf zwei Meter Wasser kann ich den Anker noch schimmern sehen. Erstmal schwimmen gehen. Als ich mich trocken sonne, legt sich leider noch einer in die Bucht, obwohl es wirklich genug andere Buchten gibt. Hmm. Die Spinnenpopulation an Bord ist explodiert. Jeden Morgen bleibe ich mit dem Kopf in irgendwelchen klebrigen Fäden hängen, sehe fette Spinnen unterschiedlicher Bauart und Bewegungsmuster. Irgendwie ganz schön, aber auch gleichzeitig etwas unangenehm. Zumindest alle Spinnen, die in die Kajüte gelangen, werden umgesiedelt. [Kategorie: /wasserspocht] - [permanenter Link] - [zur Startseite]04.09.2004
Ich habe denen dann als Dank heute morgen gegen halb neun sämtliche Festmacher mit Kabelbindern (ich habe noch die großen hier rumliegen, die man nur mit richtigen Seitenschneidern gut aufbekommt) auf den Klampen und Ringen sowohl an Bord (soweit ich rankam) als auch am Steg angeknallt. Ansonsten war es ein ruhiger Tag, ich bin wieder südlich von Mirow auf einem der Seen seit halb drei vor Anker, habe mir also nicht viel Mühe gegeben, Strecke zu machen. Ich war sogar schwimmen, das Wasser hatte 21°, und war sehr angenehm. Der Sternenhimmel ist fantastisch (falls man das jetzt mit f schreibt), da ich dicht unter Land liege, sind auch viele Mücken unterwegs, so daß ich deshalb und wegen der Feuchtigkeit (klar bei Luft kälter als Wasser) drinnen sitze. Morgen werde ich einen Abstecher nach Neustrelitz machen. [Kategorie: /wasserspocht] - [permanenter Link] - [zur Startseite]03.09.2004
Heute morgen habe ich den Vokuhila gefragt, was Tanken kostet. 1,23 der Liter, sagt er. Ich lache, und gebe den Tipp, das ich Diesel brauche. Das wäre der Preis für Diesel, und er könne nix für die Preisgestaltung, und bei der Nachfrage lohne sich das eh nicht. Vielleicht sollte man denen da 'drüben' nochmal erklären, wie Angebot und Nachfrage und Preisgestaltung aufeinander Einfluss nehmen. Hinter Zehdenick beginnt das 'Wassersportparadies Brandenburger Havel und Mecklemburger Gewässer'. Ach was. Das führt dazu, das man noch vor dem Frühstück von ABMlern genötigt wird, an einer Befragung zum Wassersport teilzunehmen 'zu Ihrem besten als Wassersportler'. Also gut, könnt Ihr haben. Richtig tücks werde ich erst, nachdem im Fragebogen die Frage auftaucht, ob ich denn im Besitz eines Sportbootführerscheins sei. HAM DIE NEN KNALL? Achso, hier ist dieses Testgebiet, wo Idioten nach Kurzeinweisung gedrosselte Motorwarzen ausleihen dürfen - deswegen so viele Bekloppte und Behämmerte vor und in den Schleusen - das erklärt einiges. Ich verhalte mich fragebogentechnisch wohl etwas zu indifferent, die ABMlerin beginnt, mir Antworten in den Mund zulegen. Dankbar und willenlos nehme ich an, so hat die Studie wenigstens einen vorhersagbaren Sinn. Ob ich die Charterer auch scheisse finde, und sie kreuzt JA an. Ich protestiere. Die Charterer sind gefährdet (durch sich selbst, und das massiv), aber scheisse finde ich die nicht. Im Gegenteil, sie bieten angemessene Kurzweil vor, in und nach Schleusen - ach, eigentlich immer. Keiner überholt an so kollossal uneinsichtigen Kurven mit viel zu wenig Speed (die Kisten für Leute ohne Bootslappen sind gedrosselt), niemand fährt spanabhebender an den Sportwarteplatz vor Schleusen. Die ABMlerin versteht meine Argumentationskette nicht ganz. 'Fahren Sie eigentlich selbst Boot?' - 'Ich? Nein'. Hmm. Noch ein Versuch: Charterer sind sowas ähnliches wie der TOM in der TAZ, wie die BeVau in der Zitty - Userfriendly Dilbert - täglich vorhanden, meistens lustig und eine zumindest denkbare Situation bis zum Ende zugespitzt. Sie versteht nicht. Das also hier das Wassersportparadies Norddeutschlands beginnt, merke ich sofort nach dem Weiterfahren, Charterer ohne Ende. Ich frage mich, wie das im Sommer[tm] ist. Ihr fragt Euch, woran ich Charterer erkenne? Die fahren einen ziemlich stark festgelegten Bootstyp, der sich durch extrem viele Kojen, schicke, in allen Regebogenfarben gestaltete Schrammen im Rumpf und extrem viele Fender (Antianbumskissen) auszeichnen, die nicht (wie eigentlich üblich) während der Fahrt eingesammelt werden, sondern rund ums Schiff herumbaumeln. Die obere Havelwasserstraße verläuft hier wieder im Bett der Havel, das führt dazu, das es sich wunderschön durch die Gegend mäandert. Die Gegend besteht aus Feldern, Wiesen, Wäldern. Immer wieder sieht man nicht, wo es genau weiter geht, die Ufer sind schilfbestanden, es ist richtig schön - bis auf, das man aufpassen muß, weil einem ab und zu eben Idioten entgegen kommen oder versuchen, zu überholen. Wegen der häufigen Schleusen (alle paar Kilometer mit 1,5 bis 3 Meter Hub, zum Teil in Selbstbedienung) ist dies wie schon erwähnt, ne bekloppte Idee. Vor Fürstenberg kommt seit langem mal wieder ein größerer See, der unter die Uferschutzregel fällt, d.h., man darf bis zu 25km/h schnell fahren, außer am 100m breiten Rand rundrum. Alle ziehen ihre Kisten auf - okay, dann ich auch, mal alles wieder einsammeln, was versucht hat, mich zu überholen. Keiner von den Kojenbombern hat ne Chance, weder bei der Endgeschwindigkeit, noch bei der Wellenentwicklung, und wahrscheinlich auch beim Spritverbrauch. Ab Fürstenberg/Ravensbrück kommen immer mehr Kanuten hinzu, idiotische Überholmanöver verbieten sich nun eigentlich ganz, wenn man die Paddler nicht mit durch den Wolf drehen will - egal, einige von den Kojenbomberfahrern haben scheinbar Termine. Gegen 17:30 habe ich erstmal genug, ich ziehe mich in den Menowsee (bei OHW km 64) zurück und suche und finde ein Ankerplätzchen auf 3 Meter Wassertiefe mit 14 Meter Kette. Im Laufe des Abends tauchen immer wieder Kojenbomber auf, und legen teilweise zum Abrollen diletantische Ankermanöver hin. Es ist wirklich verwunderlich, das dabei nicht mehr schwere Unfälle wie Gliedmassenquetschungen oder -abriss passieren.
Die meisten hauen wieder ab, in meiner unmittelbaren Nähe ist
keiner. Schön
isses hier, etwas viel Mücken (habe gerade mein Fliegennetz aus
dem Baumarkt vors Luk geklebt). Mit der Dunkelheit wirds auch schattig -
ich überlege kurz, den Ofen aus dem Kofferraum zu holen, aber bin
zu faul. Die Petroleumlampe ist warm genug.
Gestern hatte ich kein Bock, und habe um 15:00 im Zotzensee (ja, mit Z
vorne) den Haken weggehauen und erstmal nix getan ausser rumliegen. Die
Wassertemperatur beträgt beachtliche 20°, aber irgendwie kann
ich mich nicht überwinden, als ich bis zum Knie drin bin, finde ich
auch 20° ungefähr 10° zu kalt zum entspannten Schwimmen.
Das mit dem Rumliegen klappt sonst schon ziemlich gut, der Urlaub ist in
meinem Kopf angekommen.
Leider wissen das nicht alle, kurz vor neun Uhr morgens bekomme ich
tatsächlich einen Anruf von einem Kunden, dem ich vor langer Zeit
in einer Notsituation für seine Hardware ausnahmnsweise meine
Handynummer mitgeteilt habe. Ich sage: 'Dies ist eine private
Telefonnummer und ich habe Urlaub' und lege auf. Keine Chance, sich zu
entschuldigen - das muß auch mal reichen. Gegen elf ruft der
tatsächlich noch mal an und will die Handynummer eines Kollegen.
Nun bekommt er etwas mehr Text und auf keinen Fall die Nummer. Irgendwie
zwickt das aber doch, und ich checke mal in der Firma, ob alles im Lack
ist. Angeblich ja, na gut. Gebe Karl-Heinz den Tipp, auf keinen Fall
seine Privatnummer rauszurücken und begebe mich wieder in den
Urlaub.
In Canow gehe ich nach dem Schleusen noch Milch, Bananen und Teelichter
einkaufen. 4,23 Eur. Ein Liter Milch, vier Bananen, 20 Teelichter. Ich
schlucke, und bezahle, schliesslich will ich Reis mit Annanaß
(sic!) und Banane machen und irgendwovon muß ja Annie's Kaufecke
(jo, Deppengenitiv ist immer noch gegenwärtig in der Zone) ja
schliesslich auch leben.
Auch hier (an der Schleuse Canow) wieder eine ganze Blase voller
Risikosportler beim An- und Ablegen und vor allem Ehefrauen anschreien.
Es
gibt ein paar, die verzichten auf den entwürdigenden Teil mit dem
Anschreien (das gibt dann Punktabzug), aber dafür gehen die bei
der Disziplin Bugstrahler und Gliedmaßentraumata bis an die Grenze,
das gibt natürlich wieder ein paar Zusatzpunkte, vor allem, wenn
ein schönes 'schwooooiiinngk' von Kunststoff auf Stahl oder Beton
mit Fenderabriss (snupppplop - pitsch) dazukommt. Fenderabriss ist dabei
so was ähnliches wie ein durch andere Piloten bestätigter
Abschuss einer Feindmaschine und gibt automatisch ein kleines,
durchgekreuztes Fendersymbol unter dem Fahrstandfenster - Schramme
reinfahren kann jeder, Fender abreissen schaffen nur wahre Profis.
Naja, Ankern. Nach dem Rumliegen und Deppen beim Ankern beobachten (es
gibt anscheinend zwei Lehrmeinungen: Die einen scheinen die These zu
vertreten, das man, um zu testen, ob der Anker auch wirklich hält,
diesen mit Halbgas rückwärts durch den See ziehen muß -
wobei der Anker NATÜRLICH NICHT hält, eine ordentliche
Maschine vorausgesetzt - die anderen lassen den Anker einfach gehen und
alle Kette, die an Bord ist, hinterher. Das gibt ein schickes
Kettenhäufchen auf dem Anker und sorgt so auch für totsicheres
Eingraben.)
Dann gehts ans Essen machen, ich habe schöne
Fotos gemacht, die direkt bei Biolek ins Kochbuch können.
Reis
mit Curry-Banane und Chili-Ananas und Alles und Scharf. Nebenbei
zwei Püls!ner Urquell getrunken, zum Glück liege ich
inzwischen einigermaßen im Schatten. Satt und zufrieden verzichte
ich aufs Texten und rolle mich mit der Dämmerung und damit
beginnender Feuchtigkeit und Kälte in die Koje. Leider habe ich
mein Handy nicht ausgestellt, mitten im schönsten
Schönheitsschlaf ruft Christoph an - danach muß ich zum
Einschläfern erstmal wieder im Ausrüsterkatalog blättern.
Heute habe ich es erst gegen 10:30 geschafft, loszukommen. Nur zwei
Schleusen, aber eine davon mit 220% Spaß. Ein Kojenbomber wartet
vor mir, und bekommt das Boot nicht richtig an die Pier rangeklappt. Ich
erkläre ihm freundlich das Standardverfahren 'Eindampfen in die
Vorspring'. Er (Skipper) nickt begeistert, sie (Crew) guckt zweifelnd.
Während Crew noch die Finger im Tampen hat, gibt Skipper ordentlich
Gas. Zum Glück ist Crew auf Zack und läßt los - bums. /me
kann ein Grinsen nicht unterdrücken. Aber sie vertrauen mir und
probieren es noch einmal, diesmal hängt die Vorspring noch ziemlich
durch, als Skipper den Gang reinkloppt, das gibt ne schöne
Plastikschürfwunde an der Scheuerleiste. Aber sie kapieren es und
es klappt - die sind beide komplett happy, was gelernt zu haben, so
happy, das sie jetzt auch jeder anderen Anweisung von mir willenlos
folgen würden, z.B. mit einem Föhn in die gefüllte
Wanne...
Leider klappt das gleiche in der Schleuse dann nicht mehr - und der
Schlitten verkeilt sich quer in der Schleuse. Nach 5 Minuten
rumprobieren hat die Schleusenwärterin ein Einsehen und reicht ein
scharfes Messer, um den Strick von der Klampe zu bekommen. Leider
schreien sich die beiden nicht an, Skipper ist aber ob der
augenscheinlichen Auswegslosigkeit doch kurz vor dem Herzkasper. So geht
Bootsurlaub - geniessen Sie die Entspannung und Ruhe auf dem Wasser!
Ich bin irgendwann auf der Müritz, Deutschlands größtem
Binnensee (die National-Meckpomms zählen den Bodensee nicht mit,
weil der auch zur Schweiz und Ösireich gehört), und würde
gerne tanken. Ich fahre dazu nach Rechlin Nord, weil es dort eine
Bootstankstelle gibt. Hier verstecken
sie sich alle - diese Marina ist der Charterstützpunkt von
Kuehnle-Tours, einem der größten Vercharterer in Meckpom. Ich
bin überrascht, wieviele
Gurken hier noch rumliegen, schliesslich treiben doch auch noch ein
Haufen davon ihr Unwesen auf dem Wasser. Der Sprit soll 1,15 kosten -
die Cheffin erklärt mir ohne Nachfrage, wo es billigeren Sprit
gibt. Dankbar nehme ich den Rat an, das ist doch mal Service.
Also auf nach Röbel, ich fahre die Kiste seit langem mal wieder
voll aus - 28 km/h - mit viel Spaß an den Wellensystemen,
die sich bilden. In Röbel kostet der Sprit dann 1,07 - das lasse
ich gerade mal so gelten.
Gegen fünf komme ich in Waren an, eigentlich ein sinnloser Ort,
weil viel Betrieb und Liegegebühren, aber ich muß morgen
für eine Sitzung nach Hamburg, und hier gibt es einen Bahnhof.
Außerdem gibt es hier wirklich gute Chancen auf Hafenkino - die
Bugstrahler röhren ebenso wie die Skipper. Besonders kunstvoll und
beliebt beim Publikum kommen plötzliche Aufstopper, ohne auf den
Hintermann zu achten. Auf Platz zwei ist 'rückwärts an den
Schwimmsteg' in allen denkbaren und undenkbaren Variationen. Neben der
Hähme der anderen Skipper gibt es hier auch noch ein interessiertes
Landpublikum, die Stadt hat schöne Hafenkinobänke aufgestellt.
Wiedermal Milch gekauft, ohne Kühlung geht Milch nach anderthalb
Tagen hopps. Milch in Flasse umgefüllt und an die Bierkiste (11er
Kisten sind sooo praktisch) gebunden, diese dann auf 4 Meter Tiefe im
Hafenbecken versenkt. Das sollte kalt genug sein bis Sonntag morgen.
Die Duschen sind ein Traum in weiß, und zeigen die verbleibende
Restzeit digital an, allerdings nach einer besonderen Zahlentheorie,
oder die messen irgendwie umgekehrt logaritmisch, die ersten Minuten
dauern wirklich Minuten, die letzten bewegen sich eher im 10
Sekundenbereich. Aber immerhin ne Vorwarnung, bevor das Wasser ausgeht,
und man eingeseift wie ein Idiot ohne Wasser (nichtmal nur kaltes, wie
oft) rumsteht.
Morgen Zug um 7:31.
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